Natürlich: Pflanzliche und Homöopathische Mittel
Viele Menschen haben den Wunsch, ihre Krankheiten mit natürlichen und nicht mit "chemischen" Mitteln zu behandeln, da Naturheilmittel ganz allgemein als besser verträglich und nebenwirkungsarm gelten.
Die Naturheilkunde kennt verschiedene Richtungen. Die bekannt- esten sind die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Homöopathie und die anthroposophische Medizin. Sie sind vom Gesetzgeber als besondere Therapierichtungen anerkannt und auch nach § 34, SGB V unter bestimmten Vorraussetzungen erstattungsfähig.

Phytotherapie
Die Phytotherapie [griechisch: Phyton = Pflanze] ist eine der ältesten Heilmethoden und wird von allen Völkern der Erde angewandt. Die Ausgangsstoffe für die eingesetzten Heilmittel finden sich meistens im Pflanzenreich, aber auch im mineralischen Bereich (z.B. Heilerde). Die Phytotherapie ist wichtiger Bestandteil vieler medizinischer Richtungen. Nicht nur unsere "Schulmedizin", auch die traditionelle chinesische Medizin und die ayurvedische Medizin verwenden pflanz- liche Heilmittel. Die Phytotherapie entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einer wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung, die von Ärzten ebenso wie von Heilpraktikern eingesetzt wird. Die Wirkung von pflanzlichen Präparaten muss heute wissenschaftlich belegt werden, damit sie auch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Berlin zugelassen und von Kranken- kassen erstattet werden können. Daneben sind auch so genannte "traditionell" angewendete Arzneimittel im Handel, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist, die aber in der Erfahrungsheilkunde ihren Platz haben.
Gründete noch Paracelsus (1493-1541) seine medizinische Tätigkeit auf die Erfahrungsheilkunde und Naturbeobachtung, stehen heute moderne Methoden zur Verfügung, die Wirkung pflanzlicher Mittel zu erforschen, deren Inhaltsstoffe zu identifizieren und sie schließlich als Arzneimittel überhaupt verfügbar zu machen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Arzneipflanzen oft extrem giftig sind. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rote Fingerhut, dessen Blätter in ganz unter- schiedlicher Menge das giftige Digitoxin enthalten und bei Herz- schwäche helfen. Noch vor weniger als hundert Jahren wurden die Blätter in Apotheken zu Pillen verarbeitet und niemand konnte genau sagen, wie hoch der Gehalt an Digitoxin war und ob der Patient die Therapie überleben würde. Heute zählt Digitoxin in chemisch abgewandelter Form immer noch zum Standardmedika- ment bei Herzschwäche. Der Wirkungsgehalt der Tabletten allerdings ist konstant und die Therapie ist sicherer geworden.
Phytopharmaka können bei praktisch jeder Indikation eingesetzt werden. Keinesfalls ist aber zu empfehlen, eine vom Arzt verordnete Therapie eigenmächtig durch pflanzliche Mittel zu ersetzen. Sie können aber sinnvolle Ergänzung einer Therapie sein.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für verschreibungsfreie pflanzliche Mittel nur noch in Ausnahmefällen.

Homöopathie
Homöopathie ist ein von Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickeltes Heilverfahren, welches auf dem Grundsatz "Similia similibus curantur" (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt) beruht. In der Homöopathie werden Krankheiten mit solchen Mitteln in niedriger Dosierung behandelt, die in höherer Dosierung bei gesunden Menschen ähnliche Krankheitserscheinungen hervorrufen. Die Selbst- heilungskräfte des Körpers sollen damit angeregt werden.
Die homöopathischen Medikamente werden in Verdünnungen (so genannten Potenzen) verabreicht, wobei die Homöopathie davon ausgeht, dass sich die Wirkung eines Medikamentes durch fort- schreitende Verdünnung (Potenzierung) verändert.
Die Homöopathie ist eine ganzheitlich orientierte Therapie. Bei der Auswahl des homöopathischen Mittels werden nicht nur die Krank- heitssymptome, sondern auch die Wesensmerkmale und Besonder- heiten der Patienten berücksichtigt. Deshalb steht am Anfang jeder klassischen homöopathischen Therapie eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte). Es kann also sein, dass zwei Menschen mit dem gleichen Symptom, aber unterschiedlichen Wesensmerkmalen ganz unterschiedliche Mittel erhalten.
Die Ausgangssubstanzen, aus denen durch Potenzierung (s.o.) die homöopathischen Arzneimittel hergestellt werden, kommen meistens aus dem Pflanzenreich. Es werden allerdings auch häufig Mineralien und Tiere oder Tierprodukte verwendet.
Beispiele zu bekannten Homöopathika
Name Ausgangsstoff Anwendungsgebiete (Beispiele)
Apis Honigbiene Ödeme, Gelenkentzündungen
Coffea Kaffee Schlaflosigkeit, Kopfschmerz
Natrium chloratum Kochsalz Verstopfung, Rückenschmerzen
Pulsatilla Küchenschelle Erkältung, verdorbener Magen
Sulfur Schwefel Hauterkrankungen
Die Homöopathie ist zur Selbstbehandlung nur bedingt geeignet. Es sind zwar so genannte Komplexmittel im Handel, die die bei einem Symptom gebräuchlichsten Mittel als Mischung enthalten, doch werden sie von der klassischen Homöopathie abgelehnt.
Wegen ihrer besonderen Heilphilosophie entzieht sich die Homöopathie einer wissenschaftlichen Überprüfung. Deshalb werden homöopathische Mittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert, aber nicht zugelassen, da für sie kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden kann. Bei schwer- wiegenden Erkrankungen werden sie von der Krankenkasse ersetzt, wenn die Anwendung dieser Mittel für die Indikationsgebiete als Therapiestandard der Homöopathie gelten.

Anthroposophische Medizin
Die anthroposophische Medizin geht zurück auf Rudolf Steiner (1861-1925), der in seiner Anthroposophie vier "Wesensglieder" im Menschen erkannte und mit ihnen alle Gesetzmäßigkeiten und Zu- sammenhänge des Lebens beschrieb. Diese vier "Wesensglieder" sind der "Physische Leib" als sichtbarer Körper, der "Ätherleib", als Summe der Lebenskräfte, der "Astralleib", als Summe der Seelen- tätigkeit, und die "Ich-Organisation", als Summe der geistigen Tätigkeit.
Die anthroposophische Medizin ist nur ein Teilgebiet der Anthroposophie, die sich auch auf viele andere Lebensbereiche erstreckt. Steiner hielt eine Anzahl von Vorträgen, die auf seinem anthroposophischen Denkgebäude gründeten, sowohl für Ärzte, als auch Lehrer, Landwirte, Biologen, Physiker, Chemiker und auch Theologen. Die anthroposophische Medizin ist aus der anthropo- sophischen Geisteswissenschaft hervorgegangen aber nicht ganz so bekannt wie beispielsweise der pädagogische Zweig, der durch die Waldorfschulen repräsentiert wird. Grundlegende Basis ist das Menschenbild mit den verschiedenen Wesensgliedern. Krebs, bei- spielsweise, entsteht im anthroposophischen Menschenbild durch einen dominierenden Ätherleib, der durch Ich-Organisation und Astralleib nicht mehr zu bändigen ist und somit wuchernd das ganze System zerstört.
Die anthroposophische Medizin ist eine ganzheitliche Heilmethode. Sie verwendet Methoden der Schulmedizin, aber auch künstlerische Therapien wie Malen und Modellieren, Musiktherapie und eine spezielle Form der Bewegungstherapie, die von Steiner entwickelte Eurythmie.
In der medikamentösen Behandlung gibt es Medikamente, die auf die Homöopathie Hahnemanns zurückgehen, aber auch nur der Anthroposophie eigene Arzneiherstellungsweisen, wie z. B. die Verwendung der sog. "vegetabilisierten" Metalle. Da es sich bei der Anthroposophie um ein ganzes Weltbild handelt und die anthroposophische Medizin eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten beinhaltet, ist es schwierig, von einer grundsätzlichen wissenschaftlichen Anerkennung zu sprechen. Es gibt aber Teilbereiche, in denen durchaus auch reproduzierbare positive Heilerfolge zu beobachten sind. Allen Methoden voran ist die Misteltherapie zu nennen.
Wie Homöopathika werden auch anthroposophische Arzneimittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert und nicht zugelassen. Bei schwerwiegenden Erkrankungen werden anthroposophische Arzneimittel von der Krankenkasse ersetzt, wenn die Anwendung dieser Mittel für die Indikationsgebiete als Therapiestandard der anthroposophischen Medizin gilt.
AutorIn: Heike Peters, Apothekerin
erstellt am: 23.12.2004
letzte Überarbeitung: 09.05.2006
Quellen:
n.a.