Nebenwirkungen: Bitte nicht!!
„Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“. Diesen Satz bekommt der besorgte Patient oft vom Arzt oder Apotheker zu hören. Auch das Studium der Packungsbeilage verheißt nichts Gutes. Ist es vielleicht besser, das verordnete Arzneimittel gar nicht erst einzunehmen oder nur die Hälfte der verordneten Menge?
Leider sind bei der Anwendung von Arzneimitteln Nebenwirkungen nie ganz auszuschließen. Auch Naturarzneimittel machen da keine Ausnahme. Deshalb sollten sich Arzt und Patient vor Beginn jeder medikamentösen Therapie die Frage stellen, ob das Risiko gegen- über dem Nutzen zu vertreten ist. Anders ausgedrückt: „ein Warzenmittel darf keinen Krebs, ein Krebsmittel aber Warzen verursachen."
Die Packungsbeilage, die jeder Medikamentenschachtel beiliegt, informiert über alle Nebenwirkungen, die bisher bei bestimmungs- gemäßem Gebrauch des Arzneimittels beobachtet wurden. Das bedeutet aber nicht, dass diese unerwünschten Wirkungen immer auftreten müssen. Anhand der Formulierung kann die Häufigkeit eingeschätzt werden, mit der die Nebenwirkung auftritt:

Sehr häufig mehr als 10 Prozent der Anwender sind betroffen (mehr als jeder 10.)
Häufig mehr als ein Prozent der Anwender sind betroffen (jeder 10. bis 100.)
Gelegentlich mehr als 0,1 Prozent der Anwender sind betroffen (jeder 100. bis 1000.)
Selten mehr als 0,01 Prozent der Anwender sind betroffen (jeder 1000. bis 10.000.)
Sehr selten weniger als 0,01 Prozent der Anwender sind betroffen (weniger als jeder 10.000.)

Quelle: BfArM

Was sollten Sie bei Nebenwirkungen tun?
  • Leichte Nebenwirkungen: Übersteigt der Nutzen des Mittels die Nebenwirkungen? Beispielsweise sind leichte Verdauungs- probleme bei einer notwendigen Antibiotikatherapie durchaus auszuhalten.
  • Mittlere Nebenwirkungen: Setzen Sie das Mittel ab, wenn Sie es sich in der Apotheke selbst gekauft haben. Fragen Sie den Apotheker nach Alternativen. Haben Sie das Mittel von Ihrem Arzt verordnet bekommen, nehmen Sie zuerst mit dem Arzt Rücksprache, welche Maßnahmen zu ergreifen sind (Absetzen des Mittels, Dosisreduktion, Wechsel zu einem anderen Präparat,…).
  • Schwere Nebenwirkungen: Setzen Sie das Mittel in jedem Fall ab. Nehmen Sie unverzüglich Rücksprache mit einem Arzt!
  • Nebenwirkungen, die nicht in der Fachinformation enthalten sind: informieren Sie zusätzlich Ihren Arzt/Apotheker, der Ihre Informationen an die zuständigen Arzneimittelkom- missionen weiterleiten wird.
  • Immer zu beachten: Notieren Sie sich die Medikamente, bei denen Nebenwirkungen aufgetreten sind und bewahren Sie diese Aufzeichnungen auf. Bei schwerwiegenden Nebenwir- kungen oder Arzneimittelunverträglichkeiten fragen Sie Ihren Arzt nach einem Arzneimittelpass, den Sie ständig bei sich tragen können.
Was sollten Sie bei Nebenwirkungen nicht tun?
  • Andere Medikamente dagegen einnehmen, es sei denn, auf Empfehlung des Arztes.
  • Ohne Rücksprache mit dem Arzt bei verordneten Medika- menten auf ein anderes selbst gekauftes oder früher ver- ordnetes Medikament ausweichen.
  • Bei verordneten Medikamenten eigenmächtig die Dosis reduzieren.
  • Das Medikament unter allen Umständen weiter einnehmen.
AutorIn: Heike Peters, Apothekerin
erstellt am: 23.12.2004
letzte Überarbeitung: 22.01.2008
Quellen:
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM