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Zuzahlung für Arzneimittel

An den Gang zum Geldautomaten vor dem Apothekenbesuch haben sich insbesondere chronisch Kranke mittlerweile gewöhnt. Für jede vom Arzt verordnete Packung wird eine Zuzahlung zwischen fünf und zehn Euro fällig. Doch einige Medikamente gibt es zuzahlungsfrei.

Welche Regelungen gelten für die Zuzahlung?

Sind Sie mindestens 18 Jahre alt, müssen Sie grundsätzlich die gesetzlich vorgesehene Zuzahlung leisten. Dieser Eigenanteil liegt bei zehn Prozent des Verkaufspreises. Es existiert jedoch eine Deckelung sowohl nach oben als auch nach unten hin. So zahlen Sie mindestens fünf und maximal zehn Euro - aber nie mehr als das Mittel selbst kostet.

Die Zuzahlung beträgt beispielsweise

2,50 €, wenn der Preis bei 2,50 € liegt,

5,00 €, wenn der Preis bei 13,50 € liegt,

5,20 €, wenn der Preis bei 52,00 € liegt.

7,50 €, wenn der Preis bei 75,00 € liegt, 

10,00 €, wenn der Preis bei 102,00 € liegt,

10,00 €, wenn der Preis bei 5.000 € liegt.

Eine generelle Befreiung von der Zuzahlungspflicht besteht,

  • wenn das Rezept für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ausgestellt ist,
  • bei Blut- und Harnteststreifen,
  • für Arznei- und Verbandmittel bei Beschwerden in der Schwangerschaft oder im Zusammenhang mit einer Entbindung,
  • wenn Sie von der Zuzahlung befreit sind. Dies können Sie bei Ihrer Krankenkasse beantragen, wenn Sie Ihre Belastungsgrenze erreicht haben. Sie beträgt zwei Prozent Ihrer jährlichen Familien-Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken ein Prozent.

Medikamente ohne Zuzahlung

Der GKV-Spitzenverband, der Spitzenverband Bund der Krankenkassen, kann unter bestimmten Bedingungen beschließen, Medikamente von der Zuzahlung zu befreien - nämlich dann, wenn der Preis eines Arzneimittels um mindestens 30 Prozent niedriger ist als der gesetzlich festgelegte Festbetrag. Meist handelt es sich dabei um Generika. Das sind preisgünstige Arzneimittel mit erprobten patentfreien Wirkstoffen, die sich in der Therapie lange bewährt haben.

Eine Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel unter ihren jeweiligen Handelsnamen finden Sie auf den Informationsseiten des GKV-Spitzenverbandes unter dem Stichwort „Befreiungsliste Arzneimittel“.

Die Liste kann sich etwa alle zwei Wochen ändern, da die Zuzahlung unter anderem davon abhängt, ob Hersteller Preisänderungen bekannt geben und wann sie dies tun. Das ist zweimal im Monat möglich, sodass dann auch die Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel angepasst wird. Des Weiteren kann auch die Anpassung der Festbeträge dafür sorgen, dass sich der Zuzahlungsstatus eines Arzneimittels ändert. Festbeträge werden mindestens einmal jährlich vom GKV-Spitzenverband überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Zu beachten ist jedoch, dass jede Krankenkasse die Möglichkeit hat, Rabattverträge mit den Herstellern abzuschließen. Die Apotheke ist dadurch verpflichtet, Ihnen das verordnete Arzneimittel von einem der Hersteller abzugeben, mit dem Ihre Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hat. Dies ist nicht zwingend ein zuzahlungsfreies Arzneimittel.

Beispiel 1:

Der Arzt schreibt Ihnen das Arzneimittel XY von der Firma A auf. Dieses Medikament ist zuzahlungsfrei. Ihre Krankenkasse hat jedoch einen Vertrag mit den Herstellern B und C geschlossen, welche nicht zuzahlungsfrei sind. In diesem Fall ist die Apotheke dazu verpflichtet, ihnen das Medikament vom Hersteller B oder C abzugeben, wobei die normale Zuzahlung fällig wird. Ein Austausch findet nur dann nicht statt, wenn der Arzt das Aut-idem-Feld angekreuzt hat. Dieses Kreuz setzt er jedoch nur aus medizinisch-therapeutischen Gründen, beispielsweise bei einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Hilfsstoffen.

Beispiel 2:

Der Arzt schreibt Ihnen das Arzneimittel XY von der Firma A auf. Dieses Medikament ist zuzahlungsfrei. Ihre Krankenkasse hat einen Vertrag mit den Herstellern A, B und C geschlossen, wobei B und C nicht zuzahlungsfrei sind. In diesem Fall kann die Apotheke Ihnen das zuzahlungsfreie Medikament des Herstellers A abgeben, sofern es lieferbar ist.

Für Arzneimittel, die der GKV-Spitzenverband nicht von der Zuzahlung freigestellt hat, kann die Krankenkasse zudem über die Rabattverträge die Zuzahlung um die Hälfte ermäßigen oder ganz aufheben, wenn hieraus Einsparungen zu erwarten sind. Wie die beiden Beispiele ist zeigen, ist jedoch nicht jedes Arzneimittel, für das ein Rabattvertrag besteht, automatisch zuzahlungsfrei.