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Trockene Augen: Muss die Krankenkasse meine Augentropfen bezahlen?

Millionen Menschen sind auf befeuchtende Augentropfen angewiesen. Meistens werden diese von den Anwendern selbst bezahlt und die Ärzte sagen, sie dürften die Tropfen nicht verschreiben. Doch es gibt Ausnahmen.

Welche Präparate gibt es?

Zum Einsatz am Auge kommen die Wirkstoffe Hyaluronsäure, Hypromellose, Carbomer sowie Povidon. Zum Teil sind die Tropfen zusätzlich noch mit Dexpanthenol versetzt. Alle Inhaltsstoffe bewirken eine Verdickung des Tränenfilms, der somit schlechter vom Auge abfließt und länger auf dem empfindlichen Sinnesorgan verweilt. Die längere Verweildauer bewirkt eine direkte Befeuchtung – die Augen jucken weniger und sind besser vor äußeren Reizen geschützt.

„Die Besten“ unter den künstlichen Tränen gibt es nicht. Selbst unter den Tropfen mit gleichem Wirkstoff, zum Beispiel Hyaluronsäure, gibt es Unterschiede. Erstens ist die eingesetzte Menge an Substanz in den Fläschchen entscheidend, zweitens aber auch das Molekulargewicht. Dieses gibt quasi an, in wie kleine Stücke der Wirkstoff zerschnitten worden ist, bevor er in die Flasche kam. Hier gilt: Je größer, desto feuchter werden die Augen. Genutzt werden Tropfen in großen Flaschen, in kleinen Einmaldosisbehältern oder auch Augengele, je nachdem, wann und wie oft die Beschwerden auftreten. Unterschiede gibt es auch bei den Hilfsstoffen: Einige Augentropfen sind konserviert, andere nicht. Insbesondere wenn eine häufige Applikation der Tropfen erfolgen muss, wie beispielsweise nach einer Augen-Operation, sollte auf Konservierungsstoffe verzichtet werden. Ein weiterer Zusatz, der sich in manchen Präparaten findet, ist Phosphatpuffer. Empfehlenswert ist die Verwendung von Augentropfen ohne diesen Puffer, da es bei vorgeschädigter Hornhaut zu Ablagerungen kommen kann, welche die Sehfähigkeit irreversibel beeinträchtigen. Welche Augentropfen zum jeweiligen Anwender passen, sollte mit dem Arzt und dem Apotheker gemeinsam beraten werden. Gern können Sie auch unsere Beratungshotline nutzen. Die kostenfreie Nummer erfahren Sie von Ihrer Krankenkasse.

Wann zahlt die Kasse?

Ob die Krankenkasse die Kosten für die Präparate übernimmt oder nicht, hängt zum einen vom jeweiligen Zulassungsstatus des Produktes  ab. Die Kassen zahlen lediglich Tropfen, die

  • als Arzneimittel zugelassen sind oder
  • als Medizinprodukt registriert und gleichzeitig in einer vom Gesetzgeber festgelegten „Positivliste“ (Anlage V der Arzneimittelrichtlinie) enthalten sind.

Den Zulassungsstatus Ihres Wunschproduktes können Sie bei Ihrer Apotheke, dem jeweiligen Hersteller oder auch bei uns gern erfragen.

Zum anderen ist die Erstattungsfähigkeit gemäß der Arzneimittelrichtlinie nur dann gegeben, wenn eine Auto-Immunkrankheit wie ein Sjögren-Syndrom mit deutlichen Funktionsstörungen (trockenes Auge, Grad II), eine Epidermolysis bullosa oder ein okuläres Pemphigoid vorliegt, die eigene Tränendrüse komplett fehlt oder stark geschädigt ist oder aber eine Fazialisparese oder ein Lagophthalmus vorhanden sind.

Bei anderen Krankheitsbildern ist synthetische Tränenflüssigkeit leider keine Kassenleistung. Ob die Kasse zahlen muss oder nicht, entscheidet der behandelnde Arzt, der die oben genannten Richtlinien kennt und abschätzen muss, ob eine Erstattungsfähigkeit gegeben ist oder nicht. Eine separate Genehmigung durch die Krankenkasse ist nicht erforderlich.

Generell gilt außerdem: Eine nachträgliche Erstattung gegen ein Privatrezept ist nicht möglich – der einzige Weg ist, sich direkt vom Arzt ein Kassenrezept ausstellen zu lassen. Nur dann kann die Krankenkasse die Kosten (teilweise) übernehmen.