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Levocetirizin seit 1. April 2019 rezeptfrei

Zum 01.04.2019 wurde mit Levocetirizin ein weiterer Wirkstoff aus der Gruppe der neueren Antihistaminika (Mittel gegen Allergien) teilweise aus der Rezeptpflicht entlassen. In diesem Artikel erfahren Sie, was sich dadurch bei der Verordnung von Antihistaminika zulasten der Krankenkasse ändert.

Bisher waren aus der Gruppe der neueren Antihistaminika, welche in der Regel seltener müde machen als jene der ersten Generation, nur die Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Durch eine Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung ist nun auch Levocetirizin in einer Stärke von 5 mg pro Tablette für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren nicht mehr rezeptpflichtig. Levocetirizin kann damit nur noch in bestimmten Fällen auf einem Kassenrezept verordnet werden. Die Regelungen unterscheiden sich für verschiedene Altersgruppen.

Kinder unter 6 Jahren

Für diese Altersgruppe sind die im Handel befindlichen Tabletten mit 5 mg Levocetirizin zu hoch dosiert. Daher kommen nur Säfte und Tropfen für eine Anwendung in Frage. Beide Darreichungsformen sind derzeit verschreibungspflichtig und können für Kinder unter 6 Jahren auf einem Kassenrezept verordnet werden.

Kinder von 6 Jahren bis unter 12 Jahren

Die aus der Verschreibungspflicht entlassenen apothekenpflichtigen Levocetirizin-Präparate sind für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Sie können dementsprechend für Kinder von 6 Jahren bis unter 12 Jahren auf einem Kassenrezept verordnet werden. Verordnungsfähig sind sie zudem für Jugendliche mit Entwicklungsstörung unter 18 Jahren.

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren

Apothekenpflichtige Arzneimittel sind für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren (ohne Entwicklungsstörung, siehe oben) nur in Ausnahmefällen eine Kassenleistung. Gemäß Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie können apothekenpflichtige Levocetirizin-Tabletten für diese Altersgruppe nur bei anhaltender allergischer Rhinitis (= allergischer Schnupfen) mit schwerwiegender Symptomatik, bei der eine Behandlung mit Cortison-haltigem Nasenspray nicht ausreichend ist, sowie bei schweren, anhaltenden Urtikarien (= Nesselsucht) zulasten der Krankenkasse verordnet werden. Die Verordnung der aktuell (noch) auf dem Markt befindlichen verschreibungspflichtigen Levocetirizin-Tabletten wäre hingegen bezogen auf die jeweiligen Listen-Preise unwirtschaftlich.

Die Entlassung von Levocetirizin aus der Verschreibungspflicht hat für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren auch Auswirkungen auf die Verordnungsfähigkeit von verschreibungspflichtigen Antihistaminika wie Desloratadin und Fexofenadin. Aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebots können diese nur verordnet werden, wenn apothekenpflichtige Arzneimittel nicht ausreichend (zu schwache Wirkung) oder nicht zweckmäßig (beispielsweise aufgrund von Nebenwirkungen) sind. Vor der Verordnung von verschreibungspflichtigen Antihistaminika zulasten der Krankenkasse sind daher Cetirizin, Loratadin und nun auch Levocetirizin als Therapieoptionen zu prüfen.

Stand der Information: 04.06.2019