Navigation überspringen

Cortisonhaltige Nasensprays

Seit Inkrafttreten der Änderungen der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) im Oktober 2016 sind nun einige cortisonhaltige Nasensprays ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Dies betrifft jene Präparate, die bei Heuschnupfen eingesetzt werden können. Die Entlassung aus der Verschreibungspflicht hat zur Folge, dass diese Mittel nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können, sondern vom Patienten selbst bezahlt werden müssen. Unter welchen Voraussetzungen cortisonhaltige Nasensprays dennoch weiterhin Kassenleistung sind, wird im Folgenden erläutert.

Die freiverkäuflichen Cortison-Nasensprays sind nur zugelassen „zur symptomatischen Behandlung einer saisonalen allergischen Rhinitis bei Erwachsenen“. Die Erstdiagnose muss durch einen Arzt erfolgt sein, zudem müssen die Tageshöchstmengen eingehalten werden (200 µg bei Fluticason und Mometason, 400 µg bei Beclometason).

Dies bedeutet im Umkehrschluss: Für andere Anwendungsgebiete wie etwa eine perenniale Allergie, also eine ganzjährige Allergie beispielsweise durch Hausstaubmilben, Tierhaare etc. und auch für Polyposis nasi (Nasenpolypen) werden die verschreibungspflichtigen Cortison-Nasen­sprays weiterhin von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie für diesen Anwendungsbereich zugelassen sind. Auch für Kinder und Jugendliche sind die freiverkäuflichen Varianten nicht zugelassen, hier muss immer eine Verordnung eines verschreibungspflichtigen Nasensprays erfolgen. Diese Verordnung ist ebenfalls zulasten der Krankenkasse möglich, sofern das Arzneimittel zulassungsgemäß angewendet wird.

Sind für das gleiche Anwendungsgebiet (also hier saisonale allergische Rhinitis) gleichzeitig freiverkäufliche und verschreibungspflichtige Arzneimittel auf dem Markt, ist der Arzt ver­pflichtet, vorrangig auf die freiverkäufliche Variante hinzuweisen. Die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Mittels kann in dieser Konstellation unwirtschaftlich sein. Dies ist in der Arzneimittel-Richtlinie § 12, Abs. 11 geregelt: „Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt soll nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten des Versicherten verordnen, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. In diesen Fällen kann die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels unwirtschaftlich sein.“ Das gewohnte verschreibungspflichtige Cortison-Spray (z.B. Avamys®, Nasonex®) kann in diesem Fall auf einem Privatrezept verordnet werden. Dies ist jedoch meistens für den Patienten teurer als der Erwerb eines freiverkäuflichen Sprays. Wenn jedoch die freiverkäuflichen Cortison-Nasensprays nicht ausreichen oder nicht vertra­gen werden, können auch bei saisonaler allergischer Rhinitis verschreibungspflichtige Nasensprays zulasten der Krankenkasse verordnet wer­den. Der Einsatz verschreibungspflichtiger Cortison-Nasensprays muss dann in der Patientendo­kumentation besonders begründet werden.

Folgende freiverkäufliche Cortison-Nasensprays sind derzeit erhältlich (Stand 31.07.2018):

  • Mit dem Wirkstoff Beclometason: Ratioallerg® Heuschnupfen Spray, Rhinivict Nasal®
  • Mit dem Wirkstoff Fluticason: Otri-Allergie® Nasenspray Fluticason
  • Mit dem Wirkstoff Mometason: Momeallerg®, Mometahexal® Heuschnupfenspray, Mometason ratiopharm® Heuschnupfenspray