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Cannabis auf Rezept

Seit 10. März 2017 ist die Verordnung von Cannabis auf einem Kassenrezept unter bestimmten Voraussetzungen und nach vorheriger Genehmigung durch die Krankenkasse möglich. Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen können Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten sowie Arzneimittel mit den synthetischen Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon erhalten. Weitere Informationen finden Sie nachfolgend.

Hat jeder Patient Anspruch auf Cannabis?

Die Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten, Extrakten oder mit Arzneimitteln, welche die Wirkstoffe Dronabinol oder Nabilon enthalten, bleibt schwerkranken Patienten vorbehalten. Der Gesetzgeber hat jedoch auf eine starre Liste mit Erkrankungen verzichtet. Trotzdem gibt es für die Verordnung die Einschränkung, dass alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein müssen. Außerdem muss eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome bestehen.

Bereits vor März 2017 konnten Patienten in Einzelfällen eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabis ausschließlich zum medizinischen Gebrauch (Medizinal-Cannabis) zum Zweck der ärztlich begleiteten Selbsttherapie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beantragen. Diese Ausnahmeerlaubnis hatten 647 Patienten erhalten. Die Ausnahmegenehmigungen verloren innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Änderungsgesetzes ihre Gültigkeit, also Ende Juni 2017. 

Soll ein Patient Cannabis in Form von getrockneten Blüten, Extrakten oder Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon erhalten, so muss die Verordnung zunächst durch die Krankenkasse geprüft und genehmigt werden. Die Genehmigung wird in der Regel innerhalb von drei Wochen erfolgen. Wird die Expertise des MDK (medizinischer Dienst der Krankenkassen) benötigt, wird diese Frist auf fünf Wochen verlängert. Beantragen Sie eine Cannabisverordnung im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, muss die Genehmigung innerhalb von drei Tagen erfolgen. In begründeten Ausnahmefällen kann die Krankenkasse eine Genehmigung versagen. Nur bei Vorliegen einer Genehmigung kann eine Verordnung zu Lasten der Krankenkasse erfolgen. Die Apotheke stellt dann nach ärztlicher Vorgabe aus den benötigten Ausgangsstoffen eine individuelle Zubereitung (Rezeptur oder Abfüllung) für den Patienten her.

Ausnahme: Für die in Deutschland zugelassenen Fertigarzneimittel Sativex® Spray und Canemes® Kapseln gelten die obenstehenden Angaben nicht. Es ist keine Genehmigung durch die Krankenkasse erforderlich, sofern diese Fertigarzneimittel zulassungsgemäß angewendet werden. Sativex® Spray wird bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) eingesetzt, um die im Rahmen der Erkrankung auftretenden Krämpfe (Spasmen) zu lindern. Das Arzneimittel Canemes® wird bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Patienten angewendent. Beide Mittel haben dabei gemein, dass sie nur dann eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken.

In welchen Fällen hilft Cannabis?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da es bisher zwar viel Forschung zu diesem Thema gibt, viele der Studien aber nicht aussagekräftig genug sind. Cannabis ist bisher in den Leitlinien zur medizinischen Behandlung nur sehr vereinzelt aufgeführt. In Deutschland sind zwei zugelassene Fertigarzneimittel im Handel, die zum einen zur Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose zugelassen sind (Sativex® Spray, enthält Cannabis-Extrakt, eingestellt auf THC und Cannabidiol), zum anderen zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie (Canemes® Kapseln, enthalten Nabilon). Im Rahmen des Zulassungsverfahrens ist der pharmazeutische Unternehmer dazu verpflichtet, auch Studien vorzulegen, die die Wirksamkeit des Arzneimittels belegen. So liegt zumindest für die genannten Arzneimittel ein Wirksamkeitsnachweis vor.

Anders stellt sich die Situation für Medizinal-Cannabis dar. Hier ist die Datenlage überschaubar, sodass das BfArM eine nicht-interventionelle Begleiterhebung über 60 Monate durchführt, um weitere Erkenntnisse zu den Effekten von Cannabis zu gewinnen. Der verschreibende Arzt ist verpflichtet, die für diese vom Gesetzgeber veranlasste Untersuchung notwendigen Daten an das BfArM zu übermitteln. Diese Daten werden anonymisiert übermittelt, sodass keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden, die Rückschlüsse auf den jeweiligen Patienten erlauben.

Welche Zubereitungen gibt es?

Hier ist zunächst zu unterscheiden in 

  • Rezepturen und Abfüllungen
  • Fertigarzneimittel mit Zulassung in Deutschland
  • Fertigarzneimittel ohne Zulassung in Deutschland (Einzelimport)

Rezepturen und Abfüllungen

Derzeit gibt es die Möglichkeit, Cannabisblüten, standardisierten Cannabisextrakt (als Tropfen zum Einnehmen), standardisierte Dronabinol-Rezepturen (als Lösung zur Inhalation, als Tropfen oder Kapseln zum Einnehmen) oder standardisierte Cannabidiol-Rezepturen (als Tropfen zum Einnehmen) zu verordnen. Werden die Blüten verordnet, werden diese in der Regel inhaliert und müssen dazu verdampft werden. Die Kostenübernahme des Verdampfers (Vaporisator) muss mit der Krankenkasse geklärt werden. Alternativ können die Blüten auch als Tee zubereitet werden. Dies ist jedoch nicht zu empfehlen, da sich die Wirkstoffe des Cannabis nur schlecht in Wasser lösen und eine gleichbleibende Dosierung so nur schwer zu gewährleisten ist.

Zurzeit ist es nicht möglich, ausreichende Mengen an Medizinalhanf in Deutschland herzustellen, da ein Anbau bisher aufgrund des Betäubungsmittelgesetzes nicht erlaubt war. Daher werden die Blüten aktuell aus dem Ausland importiert. Es wird aber eine staatliche Cannabis-Agentur geschaffen, die z.B. die Anbaulizenzen vergibt, so dass mittelfristig keine Importe mehr nötig sein sollen.

Fertigarzneimittel mit Zulassung in Deutschland

Zurzeit gibt es zwei in Deutschland zugelassene Fertigarzneimittel: Sativex® Spray (bei Multipler Sklerose) und Canemes® Kapseln (bei Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie). 

Fertigarzneimittel ohne Zulassung in Deutschland

Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Dronabinol (Marinol®) müssen derzeit aus dem Ausland importiert werden. Ob die Kosten dafür übernommen werden, muss im Vorfeld mit der Krankenkasse geklärt werden.

Wie läuft der Bezug von Cannabis praktisch ab?

Zunächst müssen Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob er eine Behandlung mit Cannabis überhaupt für sinnvoll hält. Sie haben keinen automatischen Anspruch darauf. Reine Wunschverordnungen muss der Arzt nicht erfüllen.

Befürwortet Ihr Arzt eine Behandlung, wird er Ihnen ein Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) auf einem besonderen gelben Rezeptformular ausstellen. Wenn die Blüten verordnet werden, ist eine genaue Angabe der Blütensorte notwendig, da sich diese in ihrem THC-Gehalt deutlich unterscheiden. Zudem muss auf dem Rezept bei allen verordneten Zubereitungen die genaue Gebrauchsanweisung vermerkt werden. Dies gilt auch für Fertigarzneimittel.

Das Rezept wird von Ihnen bei der ersten Verordnung zur Genehmigung bei der Krankenkasse eingereicht. Benötigt die Krankenkasse weitere Informationen (z.B. ärztliche Befunde, Diagnosen, bisherige Medikamente), wird Sie sich mit Ihnen oder mit Ihrem Arzt in Verbindung setzen. Ist die Genehmigung erteilt, erhalten Sie das verordnete Cannabis in der Apotheke. Insbesondere bei den Blüten ist jedoch teilweise mit mehrwöchigen Wartezeiten zu rechnen, da Lieferengpässe bestehen können.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weiterführende Informationen bietet der Cannabis-Report 2018 im Download-Bereich.