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Arzneimittel der Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie

Die Naturheilkunde kennt viele verschiedene Richtungen, die oft "in einen Topf geworfen" werden. Dieser Artikel stellt drei bekannte alternative Therapierichtungen vor: die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Homöopathie und die anthroposophische Medizin. Sie sind vom Gesetzgeber als besondere Therapierichtungen anerkannt und auch nach § 34 SGB V unter bestimmten Voraussetzungen verordnungsfähig.

Phytotherapie

Die Phytotherapie [griechisch phyto = Pflanze] ist eine der ältesten Heilmethoden und wird von allen Völkern der Erde angewandt. Sie ist wichtiger Bestandteil vieler medizinischer Richtungen. Nicht nur unsere "Schulmedizin", auch die traditionelle chinesische Medizin und die ayurvedische Medizin verwenden pflanzliche Heilmittel. Gesetzlich definiert ist der Begriff der Phytotherapie nicht. Die Phytotherapie entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einer wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung, die von Ärzten ebenso wie von Heilpraktikern eingesetzt wird. Die Wirkung von pflanzlichen Präparaten muss heute wissenschaftlich belegt werden, damit sie auch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen und von Krankenkassen erstattet werden können.

Verschreibungsfreie apothekenpflichtige pflanzliche Mittel dürfen nur in Ausnahmefällen, welche in Anlage I der sogenannten Arzneimittelrichtlinie gelistet sind, auf einem Kassenrezept verordnet werden. Beispiele sind dafür Medikamente mit Ginkgo-Extrakt zur Behandlung der Demenz und Flohsamen/-schalen zur unterstützenden Quellmittel-Behandlung bei bestimmten Darmerkrankungen. Im rezeptpflichtigen Bereich gibt es zudem hoch dosierte Johanniskraut-Präparate, die bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt werden und ebenfalls zulasten der Krankenkasse verordnet werden können. Als freiwillige Satzungsleistung erstatten einige Krankenkasse außerdem vom Arzt auf einem Privatrezept verordnete apothekenpflichtige Arzneimittel der Phytotherapie.

Neben den vom BfArM zugelassenen pflanzlichen Arzneimitteln sind auch so genannte "traditionell" angewendete Arzneimittel im Handel, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist, die aber in der Erfahrungsheilkunde ihren Platz haben. Diese sind grundsätzlich nicht zulasten der Krankenkasse verordnungsfähig und können auch nicht als freiwillige Satzungsleistung erstattet werden.

Homöopathie

Die Homöopathie [griechisch homöo = ähnlich] ist ein von Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickeltes Heilverfahren, welches auf dem Grundsatz "Similia similibus curentur" (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt) beruht. In der Homöopathie werden Krankheiten mit solchen Mitteln in niedriger Dosierung behandelt, die in höherer Dosierung bei gesunden Menschen ähnliche Krankheitserscheinungen hervorrufen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sollen damit angeregt werden. Die homöopathischen Medikamente werden in Verdünnungen (so genannten Potenzen) verabreicht, wobei die Homöopathie davon ausgeht, dass sich die Wirkung eines Medikamentes durch fortschreitende Verdünnung (Potenzierung) verstärkt.

Die Homöopathie ist zur Selbstbehandlung nur bedingt geeignet. Es sind zwar so genannte Komplexmittel im Handel, die die bei einem Symptom gebräuchlichsten Mittel als Mischung enthalten, doch werden sie von der klassischen Homöopathie abgelehnt. Wegen ihrer besonderen Heilphilosophie entzieht sich die Homöopathie einer wissenschaftlichen Überprüfung. Deshalb werden homöopathische Mittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert, aber nicht zugelassen, da für sie kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden kann. Bei bestimmten schwerwiegenden Erkrankungen werden sie von der Krankenkasse erstattet, wenn die Anwendung dieser Mittel für das jeweilige Indikationsgebiet nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard der Homöopathie gilt. Die Arzneimittelrichtlinie listet in Anlage I genau auf, bei welchen Indikationsgebieten homöopathische Arzneimittel zulasten der Krankenkasse verordnet werden können.

Als freiwillige Satzungsleistung erstatten einige Krankenkasse außerdem vom Arzt auf einem Privatrezept verordnete Arzneimittel der Homöopathie.

Anthroposophische Medizin

Die anthroposophische Medizin [griechisch anthropos = Mensch] geht zurück auf Rudolf Steiner (1861-1925), der in seiner Anthroposophie vier "Wesensglieder" im Menschen erkannte und mit ihnen alle Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge des Lebens beschrieb. Diese vier Wesensglieder sind der "Physische Leib" als sichtbarer Körper, der "Ätherleib", als Summe der Lebenskräfte, der "Astralleib", als Summe der Seelentätigkeit, und die "Ich-Organisation", als Summe der geistigen Tätigkeit. Die anthroposophische Medizin ist eine ganzheitliche Heilmethode. Sie verwendet Methoden der Schulmedizin, aber auch künstlerische Therapien wie Malen und Modellieren, Musiktherapie und eine spezielle Form der Bewegungstherapie, die von Steiner entwickelte Eurythmie.

In der medikamentösen Behandlung gibt es Medikamente, die auf die Homöopathie Hahnemanns zurückgehen, aber auch nur der Anthroposophie eigene Arzneiherstellungsweisen, wie z. B. die Verwendung der sogenannten "vegetabilisierten" Metalle. Da es sich bei der Anthroposophie um ein ganzes Weltbild handelt und die anthroposophische Medizin eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten beinhaltet, ist es schwierig, von einer grundsätzlichen wissenschaftlichen Anerkennung zu sprechen. Es gibt aber Teilbereiche, in denen durchaus auch reproduzierbare positive Heilerfolge zu beobachten sind.

Bei bestimmten schwerwiegenden Erkrankungen werden anthroposophische Arzneimittel  von der Krankenkasse erstattet, wenn die Anwendung dieser Mittel für das jeweilige Indikationsgebiet nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard der Anthroposophie gilt. Die Arzneimittelrichtlinie listet in Anlage I genau auf, bei welchen Indikationsgebieten anthroposophische Arzneimittel zulasten der Krankenkasse verordnet werden können. Allen voran ist hier die Misteltherapie bei Krebs zu nennen. Allerdings dürfen Mistelpräparate nicht mehr zur kurativen, adjuvanten Krebstherapie zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Die Verordnungsfähigkeit in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität bleibt jedoch bestehen.

Als freiwillige Satzungsleistung erstatten einige Krankenkasse außerdem vom Arzt auf einem Privatrezept verordnete Arzneimittel der Anthroposophie.